"Mit SCHIRM, CHARME und dem WORT Gottes" leitet Margret Hofmann die heutige Wort-Gottes-Feier
Der Schirm, mit dem ich die Wort-Gottes-Feier eröffnet habe, zeigt auf seiner Innenseite zwei Frauengestalten (im Foto mit blauem Pfeil gekennzeichnet): die Weisheit und die Kirche. Die Weisheit wird in der antiken Tradition mit dem „Logos“, dem Wort Gottes, verbunden – jenem Wort, mit dem nach dem Johannesevangelium die Schöpfung beginnt: „Im Anfang war das Wort“. Darauf gründet Susanne Linhardt in ihren Worten zum Evangelium ihr Plädoyer für die Wort-Gottes-Feier. In der Zeichenhandlung sind alle eingeladen, eines der Wortkärtchen mitzunehmen als Zeichen dafür, dass das Gottes Wort auch ihnen gilt. Margret Hofmann, Wort-Gottes-Feier-Leiterin
Worte zum Johannesprolog von Susanne Linhardt (Joh 1,1–18) „Im Anfang war das Wort.“ Mit diesem Satz beginnt das heutige Evangelium. Es führt uns nicht in eine konkrete Szene, nicht an einen Ort und nicht zu handelnden Personen, sondern an den Ursprung allen Seins. Vor allem Anfang, vor aller Zeit, vor allem Tun steht das Wort. Und dieses Wort ist nicht etwas, sondern jemand: Gott selbst.
Johannes greift damit bewusst den Anfang der Bibel auf. „Im Anfang“ – das erinnert an die Schöpfung. Gott spricht, und es wird Licht. Gott spricht, und Chaos wird Ordnung. Gottes Wort ist kein leeres Reden, sondern schöpferische Kraft. Es bewirkt, was es sagt. Alles, was geworden ist, verdankt sich diesem Wort. Nichts ist ohne es entstanden.
Wir leben in einer Welt der vielen Worte. Worte begleiten uns ständig: gesprochen, geschrieben, gesendet, geteilt. Doch wir wissen nur zu gut, wie oft Worte leer bleiben. Wie schnell sie verletzen, verwirren oder manipulieren. Wie leicht sie Vertrauen zerstören.
Gerade deshalb ist der Johannesprolog so tröstlich und zugleich herausfordernd. Er erinnert uns daran, dass es ein anderes Wort gibt: ein Wort, das trägt, heilt und Leben schenkt. Ein Wort, das nicht lauter werden muss, um wirksam zu sein. Ein Wort, das nicht überredet, sondern einlädt. Dieses Wort ist Gott selbst, der sich mitteilt.
In der Wort-Gottes-Feier stehen wir ganz bewusst unter diesem Wort. Vielleicht fehlt einigen das Eucharistische, vielleicht erscheint diese Feier manchem „als weniger“. Doch: das Wort Gottes ist nicht zweitrangig. Es ist Ursprung, Mitte und Ziel. Wo dieses Wort verkündet wird, ist Gott selbst gegenwärtig. Nicht symbolisch, nicht abgeschwächt, sondern lebendig.
Wenn wir in der Wort-Gottes-Feier die Schrift hören, dann hören wir nicht bloß alte Texte. Dann spricht Gott heute. Dann geschieht Begegnung. Darum sagen wir nach der Lesung: „Wort des lebendigen Gottes.“ Unser „Dank sei Gott“ ist mehr als Höflichkeit. Es ist Zustimmung, Vertrauen, Bereitschaft.
Doch Hören ist nicht selbstverständlich. Wirkliches Hören braucht Stille. Es braucht ein Innerlich-werden. Vielleicht ist das eine der größten Herausforderungen unserer Zeit: überhaupt noch Raum zu schaffen, in dem Gottes Wort ankommen kann. In einer Welt, die uns permanent beschallt, braucht das Wort Gottes offene Ohren und offene Herzen.
Die Wort-Gottes-Feier lädt uns ein, diesem Wort Raum zu geben – nicht nur hier, sondern über diesen Moment hinaus. Das gehörte Wort will mitgenommen werden in den Alltag, in Entscheidungen, in Gespräche, in unser Schweigen. Vielleicht bleibt nur ein Satz hängen, ein Gedanke, ein Bild. Das genügt. Gottes Wort wirkt oft leise, aber nachhaltig.
So ist eine Wort-Gottes-Feier kein Ersatz, sondern ein Geschenk. Ein Raum, in dem Gott spricht. Ein Raum, in dem wir hören dürfen. Ein Raum, in dem das Wort neu Anfang werden kann – heute, hier, in unserem Leben.
Amen